Das Grubendorf NORDMARK, Schweden
Der Wanderführer von Mittelalter bis heute


Aussicht über Nordmark

Nordmark ist ein Kirchenspiel, liegt ca 15 Km nördlich Filipstad und ist von Filipstad aus auf der Reichsstrasse R 246 schnell zu erreichen. Sein Erzrevier umfasst nicht weniger als 15 Grubenfelder, in denen einmal an die 1000 Gruben im Betrieb waren und weitere Schürfversuche. Ja, wollte man sie alle auf einer Karte aufzeichnen, man könnte sie gar nicht unterbringen. Weiter findet man hier die Reste von mindestens 5 Hochöfen.


GESCHICHTE

Der Name Nordmark entstand in der Zeit, da der Fluss, der unten im Tal fliesst, aus einer Reihe kleiner Seen bestand, die durch schmale, enge Wasserläufe miteinander verbunden waren, den sogenannten Nor = Nordmark.

Erzabbau und Eisenherstellung gab es hier schon im frühen Mittelalter, vielleicht schon seit der späteren Eisenzeit, bis die letzte Grube im Jahre 1980 geschlossen wurde.

Auf einer Karte von 1883-1895 kann man folgendes über Nordmark lesen: Die Nordmarksgruben sind die ausgiebigsten Gruben im Reiche und vielleicht wurde hier schon vor 1350, also vor dem Schwarzen Tod (Lungen- und Beulenpest) Erz geschürft.

Geschichtliche Belege, wann das Erzschürfen in Gang kam, gibt es nicht, aber im Jahre 1413 bestätigte der Schwedenkönig Karl XIII von Pommern in einem Vorrechtsbrief, dass schon lange vor diesem Brief geschürft wurde. Diese Gruben sind wahrscheinlich die ältesten in Schweden.

In alter Zeit wurde von mehreren von einander unabhängigen Grubenbesitzern im selben Erzgebiet Erz geschürft. Jede solche Schürfstelle war eine Grube mit eigenen Namen. Deswegen stehen die alten Gruben immer noch in Mehrzahlform.

Die Arbeitsweise mit von einander unabhängigen Bergleuten in derselben Gegend war die Ursache vieler Grubeneinstürze. Die Staatsmacht bestimmte daher 1628 gesetzlich, dass alle Gruben kartographisch zu erfassen sind.

Man kann wohl behaupten, die Nordmarksgruben waren die Voraussetzung für das auf Eisengewinnung reiche Hüttenleben am Klarälven ( Fluss) und rund um den Frykensee.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass während der Periode 1650-1750 ca 10 % der Eisenerzeugung in der westlichen Welt Schwedenstahl von Filipstadsgebiet (Nordmark) war, im deutschen Volksmunde ein Begriff hoher Qualität, auch heute noch.


DIE GEMEINDE NORDMARK

Zum Kirchenspiel Nordmark gehören Nordmark und die um Nordmark gelegenen Ortschaften Stjälpet, Motjärnshyttan und Sandsjön.

Gehen wir 100 Jahre in der Zeit zurück:
Im Jahre 1894 lebten 2664 Personen im Kirchenspiel Nordmark. Die hauptsächliche Ernährungsgrundlage waren der Erzabbau und die Eisenverhüttung.

Heute im Jahre 2002 leben in Nordmark ungefähr 200 Personen und im ganzen Kirchspiel an die ca 600 Personen. Die meisten arbeiten in Filipstad. Die Kirche, das Gemeindehaus, die Volksschule, der Kindergarten, ein kleine Autoreparaturwerkstadt, ein Museum, das an den Lebenskampf vergangener Zeiten erinnert und ein kleines Federnwerk im Dorf Stjälpet.
Im Jahre 1890 waren in der jetzigen Gemeinde Filipstad elf Grubenfelder und neun Eisenhütten im Betrieb. Im Jahre 1850 waren ca. 400 Gruben in Mittelschweden im Betrieb. 1960 waren es nur noch ca. 75, davon 5 in der Filipstader Gemeinde. Seit 1991 sind alle geschlossen.


GEOLOGIE

Nordmark liegt im westlichen Teil des mittelschwedischen Eisenerzbereiches, eine Erzplatte mit folgender Ausdehnung:Im Norden bis Ludvika, Falun, Gävle, im Osten bis Åland (Finland) und im Süden bis Åtvidaberg – Askersund.

Charakteristisch für das mittelschwedische erzführende Bergmassiv ist die graue bis ins rötlich gehende Bergart Leptit, die vulkanischen Ursprunges (vulkanische Asche) ist und sich vor ca. 2000 Millionen Jahren ablagerte. Im Zusammenhang mit der vulkanischen Tätigkeit wurden Eisen- und Kalziumsalze ausgeschieden, die sich auf dem Boden seichter Seen absetzten. Oben auf diese Ablagerungen legten sich dann Mengen vulkanischer Asche, die nun im Laufe von Millionen Jahren durch absenken, erwärmen, Faltungen, zuführen von verschiedenen Minerallösungen u.s.w. umgewandelt wurde.

In einer späteren Periode sind Granite und Basalte durch die Erdkruste gedrungen, die Bergarten verwitterten. Sedimente lagerten sich zusätlich ab, während gleichzeitig Bergarten durchfaltet, verschoben und durcheinander bewegt wurden, bis die Erze und Bergarten ihr heutiges Aussehen bekamen.

Die Eisenerze in der Nordmarker Gegend bestehen aus sedimentären, magnetischen Schwarzeisenstein in denen das Eisenmineral aus Magnetit Fe3 O4 besteht. Ein reines Magnetitstück besteht aus 72,4 % Eisen, der Rest ist Sauerstoff. Zusammen mit den Eisenmineralien gibt es sogenanntes taubes Gestein, also Eisen- Silizium- Mineralien und Kalkspat, die den Eisengehalt senken.

Der normale Eisengehalt in guter Erzqualität im festem Stück liegt in den Nordmarksguben bei ca. 50-55 % Eisen. Aus diesem Erz mit diesem Eisengehalt konnte man in längst vergangener Zeit ohne grössere Massnahmen sehr gut Eisen herstellen.


SEHENSWÜRDIGKEITEN




Nordmarksmuseum Masmästargården

Das Nordmarksmuseum liegt in Nordmark auf dem Wege nach Sandsjön (Wegweiser Sandsjön 11 Km) am Ende des Hembygdsvägen in der Nähe der Kirche.

Hier wird auf einer Ausstellungsfläche von 700 m2 die 700-jährige Entwicklung des Grubenbetriebes, des Erzabbaus anschaulich gezeigt:
Das Grubenmuseum zeigt Werkzeuge und Maschinen wie sie im Grubenbetrieb angewendet wurden.

Karten, Photographien, Modelle, unter anderem ein 10 m2 grosses Modell, das die Grubenanlagen der 1920-iger Jahre zeigt u.s.w.

Ferner sind zu besichtigen:
Eine Büchsenschmiede aus dem 17.ten Jahrhundert.
Eine Kate aus dem 18ten Jahrhundert.
Eine Gesteinsammlung u.s.w.u.s.f.

Zur Erfrischung lädt ein Café mit Hausgebackenem ein.
Führungen in: Schwedisch, Deutsch und Englisch.
Auch Führungen zu den Gruben des Mittelalters finden statt.

Auskunft über Öffnungszeiten u.s.w. geben:
Filipstads Touristenbüro Tel. +46 (0)590-613 54
Museum Nordmark (Tel. Beantworter) +46 (0)590-504 04, fax +46 (0)590-509 04
E-mail nordmarks.museum@swipnet.se
Homepage http://nordmarksmuseum.com


NORDMARKSBERGS GRUBEN


Nordmarksbergs Gruben 1786

Nordmarksbergs Gruben liegen ca. 1 Km östlich der Nordmarks Kirche. Siehe den Weg nach Sandsjön, folge den Schildern.
Hier war der Bergbau wahrscheinlich schon im 12ten Jahrhundert in Betrieb bis zum Jahre 1962. Die Grube hatte eine Teufe von 360 m als sie aufgegeben wurde und steht auf dieser Teufe mit der zum Norden liegenden Grube Taberg durch einem 1 Km langen Ort (Grubengang) in Verbindung.
Die Gemarkung rund um diese Gruben ist ein sogenanntes Odalgrubenfeld, das in den 1650-ger Jahren durch Erlass eingesetzt wurde. Die Gemarkung und das Recht Erz abzubauen waren damals in staatlicher Hand, die das Schürfrecht an die verschiedenen Bergwerksbetriebe erteilte.

Dieses Rechtssystem galt bis ungefähr 1970 als der Staat durch Tausch des Grund und Bodens mit der Uddeholms AG ( Stahl u. Eisenwerk in Hagfors ca. 45 Km von Nordmark) sämtliche Grubenrechte an Uddeholm übergingen.
Zu Anfang wurde das Erz von mehreren Bergmännern geschürft, aber später kaufte die damalige Uddeholm AG diese Gruben auf und betrieb in eigener Regie den Abbau weiter.

Während der 1960-iger Jahre wurden an die 20.000 Tonnen Eisenerz per Jahr abgebaut, die unterirdisch nach Taberg zur Aufbereitung transportiert wurden. Total wurden ca. 2 Millionen Tonnen Erz gefördert. Es wurde auch etwas Silber, Asbest und Kalkstein gefördert. Die Gemarkung mit den Gruben und den dazu gehörenden Gebäuden gehört dem Verein Värmländska Industriminnen (Wermlands Industriedenkmäler).

Oben auf dem Grubenberg kann man rund herum gehen und in die tiefen Grubenschäche schauen, wo man in früherer Zeit mit Hilfe des offenen Feuers (geschichtetes Brennholz) das Gesteinmassiv erwärmte. Dadurch entstanden Risse, die das Lösen, Zerkleinern und Aussortieren von Erz und taubem Gestein ermöglichten. Man kann auch in den grossen Tagebau runter gehen. Die steilen zum Westen stürzenden Erzgänge liegen wie ein Mantel rund um einen zentralen Kalkkörper. Auf ca. 300 m Teufe schneidet ein junger Granitgang den alten Erzgang ab. Hier sieht man, wie vor Millionen Jahren alte und junge Bergarten durcheinander geschoben wurden.

Der ”Gubbortsschakt” mit Förderturm des Jahres 1925, der eine Teufe von 318 m hat, ist noch vorhanden.


Der ”Gubbortsschakt” mit Förderturm

Weiterhin sind erhalten 2 Kauen von 1700-1800 Jahrhundert und ein Förderhaus für den Aufzug.

Ein Teil der Grubenschächte waren mit Holzdächern überdeckt um das Eindringen der Winterkälte in die Tiefe zu verhindern. Trotzdem waren viele der grossen Bergräume bis zu 300 m Tiefe mit grossen Eismassen gefüllt. Ja, es war möglich, dort unten mitten im Sommer Schlittschuh zu laufen.
Die Jahreszeiten unter Tage waren im grossen und ganzen um ein halbes Jahr verschoben.
Im Sommer: Eis und kalt und im Winter warm.
Die Grubenarbeiter nutzten in früheren Zeiten diese Möglichkeit, ihre Esswaren im Sommer kühl zu lagern.


Förderturm ”Nygruvelaven”

Auf dem Wege der längs der Grube südlich rausführ, liegt der Förderturm ”Nygruvelaven” (Jahrgang 1945). Dieser Förderturm wurde gebaut, um die grossen Eisenmengen aus dem Abraum mit dem man bisher die Gross Grube wieder verfüllte, zu gewinnen. Man trieb also einen Ort unter die mit Abraum gefüllte Gross-Grube und kippte den Abraum auf Waggons zum Weitertransport nach Taberg zur Aufbereitung.

Weiter südlich neben dem weissen Warenmagazin liegt ein kleines Blockhaus mit einem Grassodendach, das Loch, wo widerspenstige Grubenarbeiter reingesteckt wurden.

Nach einer Polizeiverordnung, vom Bergrat Frans von Scheele am 15. November 1849 erlassen, war es den Grubenarbeitern bei Strafe von 5 Reichstalern Banco verboten, zwischen 9:00 Uhr abends bis 4:00 Uhr morgens sich ausserhalb ihres Wohnsitzes aufzuhalten, es sei denn, ihre Arbeit oder andere Umstände erforderten ihr Draussensein. Wurden Grubenarbeiter während dieser Zeit von der Polizei erwischt, mussten sie dem oben genannten Erlass Folge leisten, und den Zweck ihres Aufenhaltes ausserhalb ihres Wohnsitzes angeben. War kein glaubhafter Grund der Polizeiverordnung entsprechend erkennbar, mussten sie sich sofort auf Befehl schnellstens nach Hause begeben.



Das grosse weisse Magazin am Grubenrand diente an erster Stelle als Lebensmittellager. Die Lebensmittel galten als Zahlungsmittel für geleistete Arbeit der Grubenarbeiter.

Unterhalb des Magazines befindet sich ein Haus, das heute Nordmarksbergs Herrgård (Nordmarksbergs Herrenhaus) genannt wird. Es war ursprunglich ein im 18. Jahrhundert gebauter Bergmannshof. Es ist jetzt im Privatbesitz.

Noch ein Stück den Berg weiter runter, sind die Reste des Hauses zu finden, in dem einmal die Eltern (väterlicher Seite), der berühmten Brüder Nils und John Eriksson, (Långban) wohnten.
Nils Eriksson: Erbauer der schwedischen Reichsbahn.
John Eriksson: Konstrukteur des Schlachtschiffes –Monitorer- (USA), der Schiffsschraube, Dampfmaschine u.a.

Die Gruben in Nordmarkberg sind einer der mineralreichsten der Filipstader Bergbaugegend. An die 80 verschiedene Mineralien sind beschrieben.

Die Gruben sind wegen ihrer schönen Kalkspatkristalle bekannt, von denen ein schönes Exemplar das Britische Museum in London ziert.


TABERGS GRUBEN

Tabergs Gruben liegen ca. 900 m nördlich der Nordmarksbergs Gruben und stehen, wie schon oben gesagt, mit diesen in 390 m Tiefe durch einen Transportgang in Verbindung.

Das Erzfeld wurde 1702 von dem geschickten Erzsucher Nils Nilsson Jern entdeckt und es wurde sofort Erz geschürft.

Der Name Taberg wird auf Grund seines finnischen Ursprunges mit einem langen a ausgesprochen. Taberg bedeudet eigentlich ”hinter dem Berg” (Nordmarksberg).

Uddeholm AG war der Grubeneigentümer. Der Bergbau wurde bis zum Jahre 1962 betrieben.

Erzmangel war nicht der Grund der Stillegung, sondern weil Uddeholms AG sich auf dem Erzabbau in der Finnmossen-Grube konzentrierte.

Als die Grube stillgelegt wurde, hatte der tiefste Schacht eine Teufe von 520 m.

Während der Jahrhundertwende 1800/1900 hatte die Grube eine Teufe von 350 m und ist eine der tiefsten in Schweden. Ein ”Tabergsrekord” war der vertikale Steigort der 1962 ohne Seitenverbindung 328 m gerade hoch an das Tageslicht ging.
Der Tabergsgang stürzt zum Norden steil ab und besteht aus Magnetit. Ein Teil der oberen ca. 100 m ist verwittert und in lehmhaltiges Limoniterz übergegangen, das wegen seiner Beschaffenheit schwer abzubauen und anzureichern ist. Es wurde nach Polen verkauft.
Der Erzgang wurde mit unverminderter Dicke bis zu einer Tiefe von ca. 600 m festgestellt.

Gegen Ende der Stillegung wurden ca. 40,000 Tonnen Erz im Jahr abgebaut. Insgesamt wurden 2 Millionen Tonnen gefördert.

Alle Erze der Uddeholms Gruben in Nordmark (Taberg, Finnmossen u. Nordmarksberg) wurden seit 1940 in Taberg angereichert.

Der Schlick, (angreichertes Eisenerz) wurde dann zum Stahlwerk in Hagfors, zur Eisenherstellung, transportiert.

Im Jahre 1969 ging Hagfors Stahlwerk (UHB) zu einer anderen Stahlherstellungsmethode über.
Der Tabergsschlick war nicht mehr gefragt, das Anreicherungswerk wurde stillgelegt und kurz darauf abgebrochen. Die Zeugen dieser einstmals pulsierenden Erzgewinnung sind nur noch 2 Erzbunker und eine Kugelmühle.

Das frühere Grubenbüro steht noch auf dem Grubenberg, gehört Nordmarks Hausfrauenverein, der es als Weberei benutzt. Hier wird täglich für den eigenen Gebrauch und auf Bestellung gewebt. Besucher sind willkommen.


Tabergs Grubenbüro

Etwa 20 m östlich des Grubenbüros befindet sich ein grosser Einsturzkrater.



Am Donnerstag Morgen den 2. September 1879 um ½ 7:00 Uhr hörte man ein lautes Krachen und ein grosser Teil des Grubenberges bei Tabergs Grubenbüro stürzte in die Grube ab. Der Einsturz dauerte ein paar Stunden, aber kein Mensch kam zu Schaden.

Man musste doch den neugebauten Bahnkörper, der beinahe mit in die Tiefe geruscht wäre, verlegen. Der Einsturzverlauf ist wirklichkeitsnah in einem Brief von C.W. Skarling, der damals im Grubenbüro wohnte, beschrieben.

Dicht bei dem Grubenbüro, auf dem Platz, auf dem Tabergs Herrenhof einst stand, steht heute das Verwalterhaus des Herrenhofes, das dorthin transportiert wurde. Das Herrenhaus transportierte man 1917 nach Uddeholm. Im Zusammenhang mit dem Abtransport wurde dem Volkliederdichter F.A. Dahlgren (Mitglied der Schwedischen Akadamie) der unter dem Pseudonym Fredrek auf Ransätt die ”Wermlänninger” (Volkslustspiel) schrieb, ein Gedenkstein gesetzt. F.A. Dahlgren wurde auf Tabergs Herrenhof 1816 geboren.



Gedenkenstein F.A. Dahlgren

Einen weiteren Gedenkstein wurde dem Pferd Polly, das durch eine Feuerbrunst im Jahr 1874 starb, gesetzt. Diesen findet man nahe des Weges 100 m südlich des Herrenhauses, wo heute nun das Verwalterhaus steht.


TABERGS STANGENKUNST

Ungefähr 200 m südlich von Tabergs Gruben auf dem Wege nach Sandsjön befindet sich die von den Värmlandska-Industriminnen-(Werml.- Industriedenkmäler) wieder hergestellte Stangenkunst.

Die Stangenkunst wurde 1836 gebaut und war bis zum Jahre 1915 im Betrieb. Wasser als Antriebskraft wurde vom Grundsjö (Grundsee) durch einen 2 Km langen Kanal zur Stangenkunst geleitet.

Die Kraft des Wasserrades wurde mit Hilfe eines langen, pendelnd aufgehängtes Holz gestänges (Kunstgang) zu den Schächten der Gruben in Taberg und von den Schächten runter in die Gruben zu den Grubenpumpen geführt, die das Wasser aus den Gruben rauspumpten.

In der Nordmarksgegend findet man die Reste von gut 20 grossen Stangenkünsten, (Kunstgängen) die die Grubenpumpen bis 1915 antrieben.
Danach trieben dann elektrische Motoren die Grubenpumpen an.

Die grösste Stangenkunst ist ca. 1200 m lang, ging von einem Wasserrad, nahe dem abzweigenden Weg vom Weg 246 nach Sandsjön, hoch zu den Nordmarksgruben und war von 1669 bis zum Jahre 1796 also an die 127 Jahre im Betrieb.


Tabergs Stangenkunst

TABERGS KANAL

Heute fängt der Kanal ca. 200 m nördlich der Tabergs Gruben an und folgt einer 4 Km langen Höhenlinie zum Norden nach Sandsjön. Der Kanal wurde 1850 in den Gebrauch genommen und bis zum Jahr 1876 benutzt. Ab 1876 übernahm die Eisenbahn: Filipstad - Nordmark –Motjärnshyttan–Hagfors – Klarälven die Erztransporte.

Von der Sandsjöbrücke wurde das Erz für den 9 Km langen Strassentransport nach Motjärnshyttan umgeladen.

Um nun den 9 Km langen Strassentransport zwischen Sandsjön und Motjärnshyttan zu erleichtern, kaufte Uddeholms AG im Jahre 1860 in England einen dampfgetriebenen Traktor ,”Dampfross” genannt, in der Absicht, dass es die schweren Erzwagen ziehen sollte. Nun erwies sich doch, dass der Wegunterbau zu schwach bzw das Dampfross zu schwer waren. So musste man nach einigen, wenigen Versuchen den Gedanken fallen lassen, die schweren Erzwagen zu ziehen. Zu allem Elend fuhr dieses schnaufende, Flammenrauch speiende Ungetüm im Jahre 1863 in den Strassengraben, wo man ihm zu Ehren an dieser Stelle einen Gedenkstein setzte. Heute lässt sich dieses Ungeheuer, im Hagforser Eisenbahnmuseum wohl behütet, bewundern.


Stamparbo Kraftwerk am Tabergs Kanal

Auf dem Tabergs Kanal kann man heute vortrefflich Kanu fahren, fischen und hat man Glück, sieht man Elche und Biber. Auch Bären, Wölfe und Luchse hausen in dieser Gegend.


FINNMOSSENS GRUBEN


Förderturm Finnmossen

Die Finnmossengruben, die im Bereich der Strasse 246 Richtung Filipstad liegen, wurden im Jahre 1713 von dem geschickten Erzsucher Nils Nilsson Jern, der auch die Tabergs Gruben fand, entdeckt.

Diese Grube war die letzte der Nordmarksgruben, wo Uddeholms AG Erz schürfte. Sie wurde im Jahre 1973 aufgegeben. 22 Mann förderten damals ca. 100,000 Tonnen Erz im Jahr.

Seit 1970 wurde das Erz zum Anreichern und Kugelsintern nach Persberg befördert und von dort weiter nach Hagfors zum Stahlwerk transportiert.

Als der Schacht geschlossen wurde, hatte er eine Tiefe von 420 m. Die noch vorhandene Erzmenge in der Grube wird auf 10 Millionen Tonnen geschätzt. Ingesamt wurden 2 Millionen Tonnen Erz gefördert.

Die noch heute vorhandenen Anlagen der Grube sind in privatem Besitz.


DIE WERMLANDSBERGSGRUBE (Värmlandsbergsgruvan)

Das Erzfeld liegt ca. 900 m östlich der Nordmarksbergsgruben und wurde Ende der 1950-zieger Jahre durch flugmagnetische Messungen entdeckt.

Der Gipfel des Erzkörpers liegt ca. 150 m tief. Das Erz ist sehr reichhaltig an Eisen und geht bis zu 400 m tief. Von 1969 bis 1980 schürfte die Ställbergs Gruben AG hier Erz. Einer der grössten Kunde war Hagfors Stahlwerk, das 1980 seine Roheisenversorgung änderte. Die heute vorhandenen Anlagen sind im Privatbesitz.

Im Zusammenhang mit Demontagearbeiten nach Stillegung der Grube geschah eine so genannte Mirakelrettung.

Am Dienstag den 16. Dezember waren 2 Grubenarbeiter im Förderhaus damit beschäftigt, Vorbereitungen zu treffen, um einige Grubenseile aus dem Schacht hochzuholen.

Plötzlich löste sich das eine Seil und versetzte Jan Larsson (einer der beiden Grubenarbeiter) derart einen Schlag, dass er den Halt verlor und kopfüber in den 420 m tiefen Schacht stürzte.

Sein Kamerad sah ihn, wie er sich in der Luft drehend in die dunkle Tiefe verschwand.

Der Kamerad lief fort, um Hilfe zu holen.

Als er mit der Hilfe zum Schacht zurückkam und nun glaubte, das, was von seinem Kameraden noch übrig geblieben ist, zusammen zu sammeln, musste man zum Erstaunen sehen, wie Jan Larsson unverletzt die Leiter im Schacht hochkletterte.

Jan Larsson erzählte dann, wie es ihm glückte ein freihängendes Seil zu ergreifen, sich mit Händen und Füssen an diesem Seil festzuklammern und so die Fallgeschwindigkeit abbremsen konnte. Dann im Dunkeln die Leitersprossen zu erreichen war nicht leicht, aber es ging. Jan Larssons Schlusskommentar zu dem Geschehenen: Ich war noch nicht dran!


DIE JAKOBSBERG GRUBE

Die Grube liegt ca. 200 m östlich, da , wo die Landstrasse 246 den Sandjöfluss kreuzt.

In der Grube wurde Manganerz geschürft. Das Erzlager wurde 1863 von dem bekannten Erzsucher Bergskondukteur L.J. Igelström entdeckt. Davor scheint doch die Grube seit 1694 unter dem Namen Gräsåsskärpningarna (etwa: Grashügelschürfungen) in Betrieb gewesen zu sein. Es wurde Manganerz an und ab geschürft und im Oktober 1918 stellte man das Schürfen ganz ein.

Mineralogisch gesehen ist das Erzfeld hier interessant und wird das kleine ”Långban” genannt. Es wurden über 100 verschiede Mineralien gefunden darunter mehrere sehr seltene.


SANDSJÖBERGS GRUBE

Die Grube liegt westlich des Sandsjöflusses, ca. 2,5 Km nördlich der Kirche Nordmarks und ist eine der merkwürdigsten in der Nordmarker Gegend.Das Eisenerz dieser Grube wurde 1776 verarbeitswürdig und als das reichste und beste in dieser Gegend erwähnt.

Dieses erklärt, das man es als der Mühe lohnend ansah, einen 300 m langen, 0,5 bis 1,5 m breiten, schräg abfallenden, im Gelände gewundenen Erzgang mit einer Tiefe von 10 bis 30 m zu schürfen.
Dieses Schürfen wurde 1872 beendet.


LIMKULLENS KALKBRUCH

Limkullens Kalkbruch liegt 2 Km West-Nord-West der Nordmarker Kirche.

Hier wurde schon seit sehr langer Zeit Kalk gebrochen und 1830 übernahm Uddeholm AG diesen Kalkbruch und brach Kalk bis 1940. Dieses Kalkbrechen resultierte in eine grosse amphitheater gleichende Aushöhlung im Bergmassiv.


DIE NORDMARKSHÜTTE


Nordmarkshütte 1900

Die Reste der Nordmarkshütte findet man dicht beim Sandsjöälven (Sandsjöfluss) nahe dem abzweigenden Weg vom Weg 246 nach Sandsjön.
In Gustav Vasa´s (Schwedenkönig) Grundbuch des Jahres 1540 steht die Nordmarkshütte mit 3 Bergmännern als Besitzer und einem Steueraufkommen von 250 Osmunder Eisen verzeichnet. Ein Osmund-Eisen ist ein kleines Eisenstück (geschmiedet oder gegossen) und wiegt 0,35 Kg.

Die Nordmarkshütte war einer der Hütten, die während des 1600 Jahrhunderts das meiste Eisen in Wärmland produzierte.
Die Hütte war im Besitz von freien Bergmännern, die sich zu einer Hüttengemeinschaft zusammengeschlossen hatten und diese Hütte betrieben.

Nordmarks Hüttengesetz, das von einem Hüttenvogt beaufsichtigt wird, funktioniert immer noch als Verwaltungsorgan für gemeinsamen Besitz.

Der letzte Eisenabstich des Hochofens der Nordmarkshütte war im Jahre 1905. Dann wurde der Hochofen niedergeblasen und einige Jahre danach abgebrochen. Das letzte abgestochene Eisen wurde nach Russland geliefert, das Eisenmangel auf Grund des russisch-japanischen Krieges 1905, hatte.


NORDMARKS KIRCHE

Die Kirche in Nordmark wurde im Jahr 1731 gebaut und ist einen Besuch wert. Während der Sommerzeit ist sie offen. Eine Beschreibung der Kirche kann man dort kaufen.


Nordmarks Kyrka


SPORT UND FREIZEIT

Im Nordmarksälven (Nordmarks Fluss) der mit dem Gullspånger Wassersystem verbunden ist und in den Vänernsee mündet, werden jährlich Mengen von Edelfischen eingesetzt. Der Fischbereich erstreckt sich von Motjärnshyttan (Hütte) im Norden bis Filipstad im Süden und umfasst ein Gebiet von 140 km2. Angelschein ist erfoderlich.

Mit Nordmark als Ausgangspunkt kann man kilometerweit auf einsamen, stillen Pfaden vom Walde und Seen umgeben, wandern, radeln, mit dem Kanu paddeln, Beeren und Pilze pflücken, am See oder im Wald zelten. Reicher Bestand an Elchen, Rehen und Bibern. Wölfe und Braunbären hat man in der Nähe gesehen.

Wer mehr von Schwedens Eisenhantierung und Mineralien wissen will, empfehlen wir das Buch: ”Die Mineralien und Fundstellen von Schweden” Hans Jürgen Wilke Ch.Weise Verlag München 1997.